Auf einen Blick: THCV (Tetrahydrocannabivarin) ist ein minor cannabinoid aus Cannabis sativa, der sich chemisch nur durch eine kürzere Propyl-Seitenkette von THC unterscheidet. In niedriger Dosis wirkt THCV als CB1-Antagonist und kann THC-Effekte sogar abschwächen; in höherer Dosis verhält es sich agonistisch. Die Forschung 2026 sieht Potenzial bei Appetitregulation, Blutzucker und Neuroprotektion – klinische Belege für eine medizinische Empfehlung fehlen aber weiterhin. Rechtlich bewegt sich THCV in Deutschland in einer Grauzone.

Letztes Update: 08.07.2026 · 14 min Lesezeit · Verfasst von Alexander Martin, Cannabis-Journalist & Redakteur bei MYGREEN

THCV (Tetrahydrocannabivarin): Das unterschätzte Cannabinoid hinter „Diet Weed“ – Forschung, Wirkung und rechtliche Lage 2026

Wer sich durch deutschsprachige Cannabis-Blogs klickt, stolpert früher oder später über THCV – oft mit dem Slogan „Diet Weed“, oft mit großen Versprechen zu Appetit und Stoffwechsel, oft ohne Quellen. Wer dann in PubMed nachsieht, merkt: Die Datenlage ist dünner, als die Werbung suggeriert. Dieser Artikel trennt Marketing von Mechanik, Chemie von Mythos und Forschung 2026 von älteren Reviews.

Wir erklären, was THCV chemisch von THC unterscheidet, wie es im Endocannabinoid-System dosisabhängig agiert, welche Studien seit 2018 wirklich neue Erkenntnisse geliefert haben und welche Sorten tatsächlich messbar THCV enthalten. DACH-spezifisch schauen wir auf die rechtliche Lage in Deutschland, Österreich und der Schweiz – mit Stand Juli 2026.

Was ist THCV? Chemie und Struktur des Propyl-Cannabinoids

THCV – vollständig Δ9-Tetrahydrocannabivarin – gehört zur Gruppe der klassischen phytogenen Cannabinoide und teilt mit THC (Δ9-THC) das gleiche Grundgerüst aus Benzopyran und Pentyl- bzw. Propyl-Rest. Der entscheidende Unterschied steckt im Detail: THC trägt eine Pentyl-Seitenkette (C5), THCV eine um zwei Methyleneinheiten verkürzte Propyl-Seitenkette (C3).

Diese strukturelle Mini-Änderung ist pharmakologisch keine Kleinigkeit. Sie verschiebt die Affinität zu CB1- und CB2-Rezeptoren, verändert das Wirkprofil dosisabhängig und erklärt, warum THCV in manchen Kontexten als THC-Gegenspieler auftreten kann. Die Summenformel lautet C19H26O2, die molare Masse 286,41 g/mol, die CAS-Nummer 28172-17-0. Identifikatoren in Datenbanken: PubChem CID 34180, Wikidata Q254768.

Biosynthese: Aus CBGV entsteht THCV-A, dann THCV

Die Cannabispflanze produziert THCV nicht direkt. Die Biosynthese verläuft analog zu THC, nur mit dem Propyl-Homolog der Olivetolsäure (Divarinsäure statt Olivetolsäure):

  1. Divarinsäure + Geranylpyrophosphat → Cannabigerovarin (CBGV)
  2. CBGV wird zu Tetrahydrocannabivarin-Carbonsäure (THCV-A, Δ9-THCA-C3) oxidiert – die inaktive Vorstufe, die dominant in frischen Blüten vorliegt.
  3. Durch Decarboxylierung (Erhitzen, UV-Licht, längere Lagerung) verliert THCV-A das Carboxyl-Gruppe und wird zum aktiven THCV.

Diese Säureform ist relevant, weil viele Konsumenten die in frischem Pflanzenmaterial vorliegende Form (Bolognini et al. 2010) konsumieren, ohne dass die Decarboxylierung stattgefunden hat. THCV-A bindet nachweislich andere Rezeptorprofile als THCV.

Natürliches Vorkommen: Warum THCV selten ist

In den meisten modernen Cannabis-Sorten, die auf immer höheren THC-Gehalt gezüchtet wurden, liegt THCV unterhalb der Nachweisgrenze. Höhere Konzentrationen finden sich fast ausschließlich in Landrassen aus Afrika und Asien – insbesondere Sativa-Genetik aus Südafrika, Simbabwe, Nepal und Indien. Der Mechanismus dahinter: Züchterische Selektion auf THC-Pentyl-Phänotypen hat die Propyl-Variante in den meisten kommerziellen Genotypen verdrängt.

Wer THCV in Blüten finden will, sucht nach Sorten wie Durban Poison, Red Congolese, Jack the Ripper oder Pineapple Purps. Doug's Varin, eine speziell auf THCV-Gehalt gezüchtete Sorte (entwickelt von Brett Kotlus / Pure Analytics), kann Spitzenwerte von über 5 % THCV erreichen – das ist im kommerziellen Sortenvergleich eine Ausnahme.

Wie wirkt THCV? Rezeptorprofile und die dosisabhängige Besonderheit

Die Pharmakologie von THCV ist ungewöhnlich – und sie ist der Grund, warum das Cannabinoid in der Forschung so oft erwähnt wird. Pertwee (2008) hat das Wirkprofil in einer bis heute vielzitierten Übersichtsarbeit zusammengefasst:

  • In niedriger Dosis wirkt THCV am CB1-Rezeptor als neutraler Antagonist – es blockiert den Rezeptor, ohne ihn zu aktivieren. THC kann in dieser Konstellation weniger psychoaktiv wirken.
  • In höherer Dosis kippt das Profil: THCV wird zum CB1-Agonisten und kann THC-ähnliche Effekte auslösen – schneller einsetzend, kürzer anhaltend.
  • Am CB2-Rezeptor zeigt THCV konsistent partiell agonistisches Verhalten, mit möglicher Relevanz für Entzündungsprozesse.
  • Die Säureform THCV-A bindet CB1 noch stärker antagonistisch und CB2 schwach – ein Unterschied, der beim Konsum frischer, nicht erhitzter Blüten relevant wird.

THCV im Endocannabinoid-System: Warum Dosis alles ändert

Das Endocannabinoid-System (ECS) reguliert Appetit, Schlaf, Schmerzempfinden, Stimmung und Energiehaushalt. CB1 sitzt primär im zentralen Nervensystem und ist für die berauschende Wirkung von THC verantwortlich. CB2 findet sich überwiegend auf Immunzellen und in peripheren Geweben. THCV ist nun eines der wenigen Cannabinoide, das an beiden Rezeptoren pharmakologisch aktiv ist – und je nach Konzentration genau entgegengesetzte Effekte auslösen kann.

Das macht Vorhersagen schwierig. Wer im Internet liest „THCV wirkt wie THC" oder „THCV wirkt gegen THC" – beide Aussagen sind dosisabhängig wahr. Wer ein THCV-Produkt kauft, sollte die deklarierte THCV-Konzentration prüfen und mit anderen Cannabinoid-Profilen (THC, CBD, CBG) im Produkt abgleichen. Genau hier trennt sich seriöse Cannabinoid-Forschung von Marketing-Versprechen.

Für ein grundlegendes Verständnis, wie das Endocannabinoid-System insgesamt arbeitet, empfiehlt sich unser einführender Guide zum Endocannabinoid-System. Wer sich für die Pharmakologie verwandter Cannabinoide interessiert: CBG – das „Mutter-Cannabinoid" – und CBC (Cannabichromen) ergänzen das Bild.

THCV-Forschung 2026: Was die Studien wirklich zeigen

Die Versprechen zu THCV sind groß, die Datenlage ist überschaubar. Wir trennen im Folgenden präklinische Befunde (Zellkultur, Tiermodelle) von Humanstudien – und benennen offen, wo Wissen fehlt.

Appetitregulation: Wargent et al. 2013 – der meistzitierte Befund

Die Studie, die THCV den Beinamen „Diet Weed“ eingebracht hat, stammt von Wargent et al. (2013). In Mausmodellen mit diätetisch induzierter Fettleibigkeit reduzierte THCV die Nahrungsaufnahme, erhöhte die Energieausgabe und verbesserte die Insulinsensitivität – ohne dass die Tiere die typischen THC-Nebenwirkungen zeigten. Der Effekt war dosisabhängig und mit einer reduzierten Fettmasse verbunden.

Wichtig: Das ist ein Mausmodell. Ob die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, ist eine offene Frage – die wir gleich betrachten.

Diabetes-Typ-2: Jadoon et al. 2016 – die bisher größte Humanstudie

Die bislang umfangreichste THCV-Studie am Menschen ist Jadoon et al. (2016, Diabetes Care). In einer randomisierten, doppelblinden Crossover-Studie mit 62 Patienten mit Typ-2-Diabetes untersuchten die Forscher THCV-haltige Cannabis-Extrakte im Vergleich zu Placebo und zu reiner CBD-Variante.

Ergebnisse: THCV zeigte signifikante Effekte auf Nüchtern-Glukose, reduzierte Blutdruck, verbesserte einige Lipid-Marker und erhöhte die Adiponektin-Spiegel – ein Hormon, das Insulinsensitivität fördert. CBD schnitt in dieser Studie ähnlich ab, ohne additive Effekte.

Einschränkungen: kleine Stichprobe, kurze Studiendauer (12 Wochen), keine Aussagen über Gewichtsveränderung oder langfristige Stoffwechsel-Effekte.

Anti-inflammatorisch: Bolognini et al. 2010

Eine zweite wichtige präklinische Arbeit ist Bolognini et al. (2010). Die Forscher zeigten, dass sowohl THCV als auch THCV-A in Mausmodellen Entzündungsmarker reduzieren und Schmerzsignale modulieren können – und zwar überwiegend über CB2-Rezeptoren. Das ist pharmakologisch interessant, weil CB2-Aktivierung keine psychoaktiven Effekte auslöst.

Neuroprotektion: García et al. 2011 und Folgeuntersuchungen

García-González et al. (2011) und spätere Arbeiten deuten darauf hin, dass THCV in Zellmodellen neuroprotektive Eigenschaften zeigt – insbesondere in Modellen für Parkinson und bestimmte Formen der Demenz. In einem 6-OHDA-Rattenmodell für Parkinson reduzierte THCV motorische Defizite und schützte dopaminerge Neuronen vor Degeneration.

Auch hier gilt: präklinisch, kleine Stichproben, keine klinischen Daten am Menschen für THCV-spezifische Indikationen.

Antipsychotisch: Potenzial und offene Fragen

Einige Übersichtsarbeiten – darunter McPartland et al. (2015) – diskutieren die Möglichkeit, dass THCV bei höheren Dosen antipsychotisch wirken könnte, ähnlich wie CBD. Die Evidenz stützt sich auf einzelne Tiermodelle und ältere In-vitro-Studien. Klinische Daten speziell zu THCV bei Schizophrenie oder Psychose fehlen.

Wo die Forschungslücke bleibt

Was trotz aller Arbeiten bis 2026 fehlt: große, randomisierte Phase-III-Studien am Menschen, pharmakokinetische Daten für orales THCV, definierte Dosierungsfenster, Daten zu Wechselwirkungen mit Standardmedikamenten (Antidiabetika, Antikoagulanzien), und Langzeitdaten zur wiederholten Anwendung. Wer THCV konsumiert, bewegt sich in einem pharmakologisch noch nicht ausreichend charakterisierten Bereich. Das bedeutet nicht, dass THCV gefährlich ist – aber es bedeutet, dass Versprechen wie „hilft zuverlässig beim Abnehmen" wissenschaftlich nicht gedeckt sind.

THCV-reiche Sorten: Welche Genetik wirklich THCV enthält

In den meisten modernen EU-Sorten liegt THCV unter 0,1 %. Wer gezielt THCV-reiches Cannabis sucht, muss wissen, welche Genetik das Cannabinoid tatsächlich produziert. Die folgende Liste basiert auf Labormessungen verschiedener Cannabis-Labore und Züchter-Veröffentlichungen.

Sorte Genetik Typischer THCV-Gehalt Herkunft
Durban Poison Sativa-Landrasse 0,5 – 1,5 % Südafrika
Red Congolese Sativa-Landrasse 0,3 – 0,8 % DR Kongo
Jack the Ripper Sativa-Hybride 0,5 – 1,0 % USA (TGA Subcool)
Pineapple Purps Sativa-Hybride 0,4 – 1,2 % USA
Power Plant Sativa-Hybride 0,3 – 0,6 % Niederlande (Dutch Passion)
Doug's Varin THCV-Selektion 3 – 6 % USA (Doug's Varin / Pure Analytics)
Willie Nelson Sativa-Hybride 0,4 – 0,8 % USA

Eine wichtige Praxis-Info: Wer in Europa THCV-reiches Cannabis kaufen will, sollte immer ein CoA (Certificate of Analysis) auf Anfrage per E-Mail vom Anbieter verlangen – THCV-Gehalte sind nicht standardmäßig auf Produktetiketten deklariert. MYGREEN prüft alle Chargen per HPLC & ¹H-NMR, bevor sie ins Lager gehen; auf Anfrage senden wir einen CoA-Auszug per E-Mail.

THCV vs. THC vs. CBD: Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

Die Verwechslung von THCV mit THC ist verständlich – drei Buchstaben Unterschied. Pharmakologisch sind es aber drei verschiedene Wirkstoffe mit unterschiedlichen Effekten. Die folgende Tabelle fasst zusammen:

Eigenschaft THCV THC CBD
Seitenkette Propyl (C3) Pentyl (C5) Pentyl (C5)
CB1-Rezeptor Antagonist (niedrig) / Agonist (hoch) Starker Agonist Negativer allosterischer Modulator
CB2-Rezeptor Partieller Agonist Partieller Agonist Schwacher Agonist
Psychoaktivität Niedrig (in niedriger Dosis: keine) Hoch Keine
Appetit-Effekt Appetitzügelnd (präklinisch) Appetitsteigernd Variabel, oft neutral
Wirkdauer Kürzer als THC 2 – 6 h (je nach Form) Variabel
Rechtslage DE 2026 Grauzone BtmG, abgesehen von Medizin-Cannabis Legal (< 0,3 % THC, EU-Nutzhanf)

Wer mit Cannabinoiden experimentiert, sollte die Kombination im Blick behalten: THCV kann in Anwesenheit von THC dessen Wirkung modulieren, in Anwesenheit von CBD können sich Effekte gegenseitig verstärken oder abschwächen. Das macht jedes Produkt-Profil einzigartig – und erklärt, warum CoA-Transparenz bei nicht-isolierten Vollspektrum-Produkten so wichtig ist.

Für eine breitere Einordnung neuerer Cannabinoid-Klassen lohnt sich auch ein Blick auf Superior – ein 2025/2026 zunehmend relevantes Cannabinoid-Hybrid aus dem legalen Markt.

Ist THCV legal? DACH-Rechtslage 2026

Die rechtliche Einordnung von THCV ist unübersichtlich – und sie ist es 2026 mehr denn je. Wir gehen die drei großen DACH-Märkte einzeln durch.

Deutschland: Grauzone mit klarem Trend

In Deutschland fällt THCV nicht explizit unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) – die Anlage I listet THC, n-THC und synthetische Cannabinoide, nicht aber THCV namentlich. Auch die Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzgebung (NpSG) hat THCV bislang nicht erfasst (Stand Juli 2026). Damit bewegt sich THCV in einer rechtlichen Grauzone: nicht explizit verboten, aber auch nicht als „zugelassen" deklariert.

Für Verbraucher heißt das: Der Erwerb von THCV-haltigen Blüten, Extrakten oder Isolaten ist nach derzeitigem Stand keine Straftat im Sinne des BtMG. Ob der Verkauf als Novel Food oder als Aromaprodukt deklariert wird, hängt vom Anbieter ab – die Lebensmittelbehörden (LGL, LAVES) haben THCV-haltige Lebensmittel bislang nicht zugelassen.

Wichtig: Auch in dieser Grauzone gilt das allgemeine Cannabisrecht: Mit Inkrafttreten der KCanG-Liberalisierung am 1. April 2024 (CanG) und den Folge-Novellen bleibt THC-haltiges Cannabis mit mehr als 0,3 % THC BtMG-pflichtig (außerhalb der Medizin- und Anbau-Regelungen). THCV-Produkte mit gleichzeitig hohem THC-Gehalt fallen damit klar unter das BtMG – unabhängig vom THCV-Anteil.

Österreich: SMG und strenge Auslegung

In Österreich ist die Rechtslage restriktiver. Das Suchtmittelgesetz (SMG) listet THC explizit, THCV ist nicht namentlich aufgeführt. Allerdings wenden die österreichischen Behörden die SMG-Bestimmungen analog auf strukturell verwandte Cannabinoide an, wenn diese eine vergleichbare psychoaktive Wirkung haben. Da THCV in höherer Dosis CB1-agonistisch wirken kann, fällt es in der Praxis unter dieselbe Regelung wie THC. Fazit: In Österreich ist THCV de facto dem THC-Regime unterworfen.

Schweiz: BetmG und die 1 %-Ausnahme

Die Schweiz unterscheidet sich grundsätzlich: Cannabis mit bis zu 1 % THC ist seit 2011 straffrei (gilt als „Hanf" im BetmG-Sinn). THCV fällt nicht in diese THC-Grenze, sodass reine THCV-Produkte – sofern ohne nennenswerten THC-Anteil – in einer ähnlichen Grauzone wie in Deutschland liegen. Mit der laufenden Revision des BetmG (geplante Umsetzung 2026/2027) könnte sich die Lage zusätzlich ändern.

Praktischer Hinweis für Käufer in der EU

Wer THCV-haltige Produkte erwirbt, sollte folgende Punkte beachten:

  • CoA anfordern: seriöse Anbieter stellen auf Anfrage einen Laborbericht per E-Mail zur Verfügung – MYGREEN ebenfalls.
  • THC-Gehalt prüfen: Liegt der THC-Gehalt über den im Zielland geltenden Grenzen (DE: 0,3 %; CH: 1 %), greift BtMG / BetmG – unabhängig vom THCV-Anteil.
  • Reisetipps: THCV-Produkte ins Ausland mitzunehmen ist riskant. Innerhalb der EU gelten unterschiedliche Auslegungen, beim Grenzübertritt in Nicht-EU-Länder drohen teils drakonische Strafen.
  • Stand 2026: Rechtslage kann sich kurzfristig ändern. Wer regelmäßig konsumiert, sollte die DACH-Behörden-Mitteilungen im Blick behalten.

Für eine breitere Übersicht zur aktuellen Rechtslage empfehlen wir unseren Guide: Cannabis legal kaufen in Deutschland 2026.

THCV: Nebenwirkungen und Sicherheitsprofil

Da THCV nicht in großen Kohorten klinisch geprüft wurde, stützt sich die Sicherheitsbewertung auf Fallberichte, Tiermodelle und pharmakologische Plausibilität. Bekannte und plausible Risiken:

  • Bei höherer Dosis: psychoaktive Effekte, weil THCV am CB1 agonistisch wirken kann – kürzer als THC, aber messbar.
  • Appetitzügelnd: für Menschen mit Essstörungen, Untergewicht oder konsumierender Erkrankung potenziell kontraproduktiv.
  • Wechselwirkungen mit CYP450-Enzymen in der Leber sind plausibel, aber nicht systematisch untersucht – insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Statinen, Antikoagulanzien, Antiepileptika oder oralen Antidiabetika.
  • Blutdrucksenkung wurde in der Jadoon-Studie beobachtet – relevant für Menschen mit Hypotonie oder unter Blutdrucksenkern.
  • Schwangerschaft / Stillzeit: Aufgrund fehlender Daten gilt THC-Verbot-Logik analog – vom Konsum wird abgeraten.

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte vor THCV-Konsum Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker halten.

Häufig gestellte Fragen zu THCV (FAQ)

Was ist THCV?

THCV (Δ9-Tetrahydrocannabivarin) ist ein minor cannabinoid aus der Cannabispflanze. Chemisch eng mit THC verwandt, aber mit kürzerer Propyl-Seitenkette (C3 statt C5). Wirkt dosisabhängig am CB1-Rezeptor: antagonistisch in niedriger, agonistisch in höherer Dosis.

Ist THCV psychoaktiv?

In niedrigen Dosen wirkt THCV nicht oder kaum psychoaktiv – es kann THC-Effekte sogar abschwächen. In höheren Dosen kippt das Profil und THCV wirkt am CB1 agonistisch, mit kürzeren, klarer beschriebenen THC-ähnlichen Effekten.

Hilft THCV beim Abnehmen?

Tierstudien (Wargent 2013) zeigen appetitzügelnde und stoffwechselfördernde Effekte. Eine Humanstudie (Jadoon 2016) bestätigte positive Effekte auf Blutzucker und einige Stoffwechselmarker. Eine klinische Empfehlung zum Abnehmen mit THCV ist daraus nicht ableitbar – die Studien sind klein und kurz.

Welche Sorten sind reich an THCV?

Durban Poison (0,5 – 1,5 %), Red Congolese, Jack the Ripper, Pineapple Purps, Power Plant, Willie Nelson. Doug's Varin ist eine Spezialzüchtung mit bis zu 6 % THCV. In den meisten modernen EU-Sorten liegt THCV unter 0,1 %.

Wie wird THCV eingenommen?

Am verbreitetsten sind THCV-reiche Blüten, Vollspektrum-Extrakte, Isolate und in seltenen Fällen oral eingenommene Tinkturen. Da die Säureform THCV-A durch Erhitzen (Decarboxylierung) aktiviert wird, müssen orale Produkte entsprechend vorbereitet sein – das Etikett sollte die Aktivform deklarieren.

THCV vs. THC – was ist der Unterschied?

THC wirkt am CB1 stark agonistisch und löst das klassische „High" aus; THCV wirkt dosisabhängig und in niedriger Dosis antagonistisch – kann also THC dämpfen. Beide teilen das Grundgerüst, unterscheiden sich aber in der Seitenkette (Propyl vs. Pentyl).

THCV ist in Deutschland nicht explizit im BtMG gelistet und fällt aktuell nicht unter das NpSG. Es bewegt sich in einer Grauzone. Der THC-Gehalt des Produkts entscheidet: < 0,3 % THC = rechtlich unauffällig, > 0,3 % THC = BtMG-relevant.

Hat THCV Nebenwirkungen?

Mögliche Nebenwirkungen sind dosisabhängige psychoaktive Effekte, Appetitzügelung, Blutdrucksenkung sowie mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten über das CYP450-System. Klinisch belastbare Daten fehlen.


Fazit: THCV ist Forschung, kein Lifestyle-Produkt

THCV ist ein faszinierendes Cannabinoid – pharmakologisch ungewöhnlich, chemisch eng mit THC verwandt und mit präklinisch spannenden Daten zu Stoffwechsel, Appetit und Neuroprotektion. Wer THCV als „Abnehm-Wundermittel" bewirbt, ignoriert die Datenlage. Wer es als research-relevant beschreibt, liegt richtig.

In Deutschland ist THCV 2026 in einer Grauzone – nicht verboten, aber auch nicht zugelassen. Wer konsumiert, sollte CoA-Transparenz verlangen, den THC-Gehalt prüfen und die rechtliche Entwicklung im Auge behalten. MYGREEN bietet im aktuellen Sortiment 9H-THC-Produkte und 9H-HHC-Blüten aus dem legalen Cannabinoid-Spektrum – alle HPLC-verifiziert, mit CoA-Auszug auf Anfrage per E-Mail.

Disclaimer (Stand 08.07.2026): Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Forschung. Er ist keine medizinische, juristische oder Anbau-Beratung. Rechtslage kann sich kurzfristig ändern; aktuelle Informationen bei offiziellen Behörden prüfen. MYGREEN-Produkte sind als Aromaprodukte bzw. Sammlerartikel deklariert und nicht zum Verzehr bestimmt.

Über den Autor: Alexander Martin

Alexander Martin ist Cannabis-Journalist und Redakteur bei MYGREEN mit Fokus auf Cannabinoid-Forschung, europäische Rechtslage und Verbraucheraufklärung. Er arbeitet seit 2022 in der legalen Cannabis-Branche, hat Beiträge in Fachpublikationen wie der Apotheken-Umschau und dem Hanf-Magazin veröffentlicht und betreut die MYGREEN-Redaktion für Cannabis-Wissen und Cannabinoid-Guides.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Pertwee RG. The diverse CB1 and CB2 receptor pharmacology of three plant cannabinoids: Δ9-THC, CBD and Δ9-THCV. Br J Pharmacol. 2008. PubMed 17828291
  • Bolognini D et al. The plant cannabinoid Δ9-THCV can decrease signs of inflammation and inflammatory pain in mice. Br J Pharmacol. 2010. PubMed 20590571
  • Wargent ET et al. The cannabinoid Δ9-THCV attenuates obesity-related metabolic dysfunction. Nutr Diabetes. 2013. PMC 3632298
  • Jadoon KA et al. Efficacy and Safety of Cannabidiol and Tetrahydrocannabivarin on Glycemic and Lipid Parameters in Patients With Type 2 Diabetes. Diabetes Care. 2016. PubMed 27573936
  • McPartland JM et al. Are CBD and Δ9-THCV negative modulators of the endocannabinoid system? Br J Pharmacol. 2015. PMC 4301686
  • García-González C et al. Neuroprotective effects of the cannabinoid agent Δ9-THCV in a 6-OHDA model of Parkinson's disease. 2011. PMC 3165947
  • Wikipedia DE: Tetrahydrocannabivarin
  • Wikipedia EN: Tetrahydrocannabivarin
  • PubChem CID 34180

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