Cannflavin A und B: Die unterschätzten Cannabis-Flavonoide — Forschung, Wirkung und Potenzial 2026
szerző: Alexander Martin
Cannflavin A und B
Cannflavin A und B werden aus Cannabis sativa isoliert und pharmakologisch untersucht. Foto: Reagenzgläser im Forschungslabor.
Cannflavin A und B: Die unterschätzten Cannabis-Flavonoide —
Forschung, Wirkung und Potenzial 2026
Letztes Update: 07.07.2026 · Geschätzte Lesezeit: 13 Minuten ·
Autor: Alexander Martin
Schnell erklärt: Was sind Cannflavine?
Cannflavine sind eine kleine, exklusive Gruppe von
Flavonoiden, die ausschließlich in Cannabis sativa vorkommen —
sonst nirgendwo im Pflanzenreich. Die drei bekannten Vertreter heißen
Cannflavin A, B und C. Sie sind chemisch keine Cannabinoide, wirken
nicht psychoaktiv und sind in Deutschland legal. Was sie so interessant
macht: In Laborstudien hemmt Cannflavin A die Bildung des
Entzündungsbotenstoffes Prostaglandin E2 rund dreißigmal stärker
als Aspirin — allerdings im Reagenzglas, nicht am Menschen. Wer
mehr über Flavonoide allgemein verstehen will, dem hilft der Blick auf
die Cannabis-Terpene
und Flavonoide als Einstieg.
Kurz und prägnant — auf einen Blick:
Stoffklasse: Prenylierte Flavonoide, einzigartig in
Cannabis sativa
Wichtigste Vertreter: Cannflavin A (C₂₆H₂₈O₆),
Cannflavin B (C₂₁H₂₀O₆), Cannflavin C
Wirkung in vitro: Hemmung von Prostaglandin E2
(PGE2) und 5-Lipoxygenase
Headline-Fund: Cannflavin A ≈ 30× stärker als
Aspirin bei der PGE2-Hemmung (Rea et al., 2019)
Rechtsstatus: Nicht psychoaktiv, nicht im NpSG,
legal in der EU
Vorkommen: In allen Cannabis-Sorten, besonders in
Vollspektrum-Extrakten
Update-Marker
Stand der Forschung: Juli 2026. Die wichtigsten
neuen Erkenntnisse der letzten zwei Jahre betreffen die Biosynthese (Rea
2019), pharmakologische Profile bei neurodegenerativen Erkrankungen
(Abdel-Kader 2023) und eine 2025 publizierte Studie zu Cannflavin A bei
TLR4-vermittelter Neuroinflammation (Fitzpatrick et al., 2025).
Cannflavin C bleibt das seltenste Molekül der Gruppe. Substanzen wie
9H-HHC, PHC, 9H-THC, THCA und Superior sind in dieser Diskussion kein
Ersatz — Cannflavine bilden eine eigene pharmakologische Klasse.
Alexander Martins Praxis-Blick
„Ich habe in unserer Qualitätssicherung HPLC-Chromatogramme von
Vollspektrum-CBD-Blüten gesehen, in denen neben 18 % CBD und 0,7 % CBG
tatsächlich messbare Cannflavin-A-Peaks auftauchen — wenn auch nur im
niedrigen einstelligen Prozentbereich. Das ändert nichts an der
Hauptwirkung des CBDs, aber es erklärt, warum erfahrene Konsumenten
Vollspektrum-Extrakte oft als ‚weicher‘ oder ‚ganzheitlicher‘
beschreiben als reines Isolat. Cannflavine sind eine
Erklärungskomponente im Entourage-Effekt, die in den meisten Beiträgen
fehlt.”
— Alexander Martin, Cannabis-Forscher & Autor, 7. Juli
2026
1. Cannabis-Flavonoide — und warum sie meistens Cannflavine
heißen
Cannabis produziert mehr als 200 verschiedene Flavonoide. Die meisten
davon, etwa Quercetin, Luteolin, Kaempferol oder Apigenin, kommen auch
in Salat, Tee oder Beeren vor. Eine kleine Untergruppe jedoch ist
exklusiv in Cannabis sativa zu finden — und diese
Untergruppe heißt Cannflavine.
Der Begriff „Cannflavin” wurde 1980 geprägt, als die britische
Forschergruppe um Michelle L. Barrett am University College London die
ersten beiden Vertreter isolierte. Der Name leitet sich von Cannabis +
Flavon ab. Barrett, Scutt und Evans publizierten die Strukturaufklärung
1986 in Experientia (Band 42, Seiten 452–453, DOI 10.1007/BF02118655,
PMID 3754224).
Heute kennt man drei natürlich vorkommende Cannflavine:
Name
Summenformel
CAS-Nr.
Entdeckt
Quelle
Cannflavin A
C₂₆H₂₈O₆
76735-57-4
1985/1986
Barrett et al.
Cannflavin B
C₂₁H₂₀O₆
76735-58-5
1985/1986
Barrett et al.
Cannflavin C
(komplexer)
–
2008
Radwan et al.
Was Cannflavine chemisch ausmacht: Sie sind prenylierte
Flavonoide. Das bedeutet, an den Grundkörper des Flavons ist
eine prenylartige Seitenkette (C5 oder C10) angeheftet. Diese
Prenylierung ist der Grund, warum sie in der Pflanze eine andere
biologische Rolle spielen als unveränderte Flavonoide — und warum
Pharmakologen auf sie aufmerksam wurden.
Wer sich für die größere Familie der Cannabinoide interessiert,
findet im Cannabis-Blüten
Guide eine umfassende Einordnung. Cannflavine sind allerdings keine
Cannabinoide — das ist der erste große Unterschied, den man sich merken
sollte.
2. Cannflavin A — das wichtigste Molekül
2.1 Struktur und Stammdaten
Cannflavin A ist ein gelbliches Pulver mit der Summenformel
C₂₆H₂₈O₆ (Molare Masse ≈ 436,5 g/mol). Die
IUPAC-Bezeichnung lautet
6-[(2E)-3,7-Dimethylocta-2,6-dienyl]-5,7-dihydroxy-2-(4-hydroxy-3-methoxyphenyl)chromen-4-one.
Strukturell handelt es sich um ein prenyliertes Flavon mit einer
Geranylgruppe (C10). Die CAS-Nummer ist 76735-57-4, der
PubChem-Eintrag ist CID
10071695.
2.2 Die „30 × Aspirin”-Story
Der populärste Fakt über Cannflavin A ist die Aussage, es sei „30-mal
stärker als Aspirin”. Was steckt dahinter?
Die ursprüngliche Beobachtung stammt aus dem Jahr 1985: Barrett,
Gordon und Evans zeigten in Biochemical Pharmacology (DOI
10.1016/0006-2952(85)90325-9, PMID 3859295), dass ein Rohextrakt aus
Cannabis sativa die Produktion von Prostaglandin E2 (PGE2) in
stimulierten menschlichen Zellkulturen hemmt. Die aktive Fraktion
identifizierten sie als Cannflavin A.
2019 haben Kevin A. Rea und Kollegen von der University of Guelph
(Kanada) die Biosynthese des Moleküls entschlüsselt — und dabei die
Vergleichszahl zur Acetylsalicylsäure (Aspirin) präzisiert: In ihren
In-vitro-Assays hemmte Cannflavin A die mikrosomale
Prostaglandin-E2-Synthase-1 (mPGES-1) rund 30-fach
potenter als Aspirin (Phytochemistry,
Band 164, Seiten 162–171, PMID 31151063). Die Pressemitteilung der
University of Guelph (ScienceAlert-Bericht)
verbreitete die Zahl weltweit.
Wichtig — drei Einschränkungen, die in 90 % der populären
Berichte fehlen:
Es handelt sich um Zellkultur-Daten (in vitro),
nicht um klinische Studien am Menschen.
Die Hemmung von mPGES-1 ist eine von vielen
möglichen anti-entzündlichen Wirkmechanismen, nicht der einzige.
Die orale Bioverfügbarkeit von Cannflavin A beim Menschen ist bisher
kaum erforscht.
Die korrekte Formulierung lautet daher: „Cannflavin A hemmt im
Reagenzglas einen Entzündungs-Botenstoff etwa 30-mal stärker als
Aspirin” — und nicht „Cannflavin A wirkt 30-mal besser als Aspirin”.
2.3 Was Cannflavin A pharmakologisch noch kann
Die Forschungslage ist 2026 deutlich breiter als noch vor fünf
Jahren:
mPGES-1-Hemmung (Rea 2019, Werz 2014)
5-Lipoxygenase-Hemmung — das ist der zweite große
Entzündungspfad, der durch Cannflavin A blockiert wird (Werz et al.,
2014, DOI
10.1016/J.PHANU.2014.05.001)
TLR4-Hemmung — Fitzpatrick et al. zeigten 2025 in
Natural Product Research, dass Cannflavin A die TLR4-induzierte
Chemokin-Ausschüttung in Makrophagen drosselt (DOI
10.1080/14786419.2024.2358382)
Neuroprotektion — Abdel-Kader et al. berichten 2023
in PMC10714118
über Potenzial bei neurodegenerativen und neuroinflammatorischen
Erkrankungen über die Hemmung von Kynurenin-3-Monooxygenase (KMO)
Hormetische Neuroprotektion — Eine 2021 in ACS
Omega publizierte Arbeit (Bautista et al., PMC7931196)
zeigte, dass Cannflavin A in niedriger Dosierung Nervenzellen gegen
Amyloid-β-Toxizität schützt
Das klingt fast zu gut für ein einzelnes Molekül. Realistisch
betrachtet sind alle diese Ergebnisse präklinisch. Es gibt 2026 keine
zugelassene Humanarznei mit Cannflavin A als Wirkstoff, keine
Phase-2-Studie und keine klinische Evidenz im großen Stil.
3. Cannflavin B und C — die Geschwister
3.1 Cannflavin B
Cannflavin B (C₂₁H₂₀O₆, CAS 76735-58-5, PubChem
403815) ist strukturell mit Cannflavin A verwandt, trägt aber eine
kürzere prenylierte Seitenkette (Dimethylallyl-Gruppe, C5).
Pharmakologisch ähnelt es Cannflavin A: Auch Cannflavin B hemmt mPGES-1
und 5-Lipoxygenase, allerdings mit etwas anderer Potenz.
In einer häufig zitierten Vergleichsstudie wird Cannflavin B ähnlich
stark wirksam beschrieben wie Cannflavin A, in manchen Assays sogar
synergistisch. Der Übersichtsartikel von Abdel-Kader et al. (2023) hebt
hervor, dass Cannflavin B in einigen Tiermodellen zur Darmentzündung die
stärksten Effekte zeigte. Wer Genaueres zur Pharmakokinetik lesen
möchte: Die Originalarbeit von Rea et al. (2019) listet
Konzentrations-Wirkungs-Kurven für beide Moleküle.
3.2 Cannflavin C
Cannflavin C wurde erst 2008 identifiziert — die Forschungsgruppe um
Mahmoud A. Elsohly von der University of Mississippi isolierte es aus
einer hochpotenten Cannabis-Varietät und publizierte die Struktur in
Phytochemistry (DOI
10.1016/j.phytochem.2008.07.010, PMC 4888767, PMID 18774146).
Cannflavin C ist deutlich seltener als A und B und kommt nur in
bestimmten Sorten in nennenswerten Mengen vor. Über seine
pharmakologischen Eigenschaften ist 2026 noch weniger bekannt als über A
und B.
Eigenschaft
Cannflavin A
Cannflavin B
Cannflavin C
Summenformel
C₂₆H₂₈O₆
C₂₁H₂₀O₆
(komplexer)
CAS
76735-57-4
76735-58-5
–
PubChem
10071695
403815
–
Prenylierung
Geranyl (C10)
Dimethylallyl (C5)
komplexer
Hauptmechanismus
mPGES-1, 5-LOX
mPGES-1, 5-LOX
weniger erforscht
30× Aspirin-Faktor
ja
ähnlich
offen
Erstmals isoliert
1985/86
1985/86
2008
4. Biosynthese — wie die Pflanze Cannflavine baut
Cannabis sativa als Quelle der Cannflavine — Biosynthese findet in der lebenden Pflanze statt.
Einer der faszinierendsten Aspekte der Cannflavine ist ihr
Biosyntheseweg. Rea et al. (2019) haben ihn Schritt für Schritt
entschlüsselt. Die Kette lässt sich so zusammenfassen:
Startmolekül Luteolin — ein gewöhnliches Flavon,
das in vielen Pflanzen vorkommt
Methylierung durch O-Methyltransferase CsOMT21 —
daraus wird Chrysoeriol
Prenylierung durch zwei Prenyltransferasen (CsPT1 und
CsPT2) — Chrysoeriol wird entweder mit einer C10- oder
C5-Seitenkette versehen
Endprodukte Cannflavin A (C10) und Cannflavin B
(C5)
Die Besonderheit liegt in den Prenyltransferasen CsPT1 und CsPT2. Sie
akzeptieren ausschließlich Chrysoeriol als Substrat — daher kommt
Cannflavin A und B nur in Pflanzen vor, die Luteolin → Chrysoeriol →
prenyliertes Flavon aktiv betreiben.
Cannflavin C entsteht vermutlich über eine weitere, bislang nicht
vollständig aufgeklärte Modifikation. Es wurde in derselben
Elsohly-Arbeit von 2008 beschrieben, aber seine Biosynthese ist 2026
noch nicht in allen Details entschlüsselt.
Praktisch relevant: Die Konzentration von Cannflavin A und B in der
Pflanze ist sortenabhängig. In Vollspektrum-Extrakten
findet man messbare Peaks (typisch 0,05 bis 0,5 % Trockengewicht), in
isoliertem CBD oft nichts, weil bei der Isolation polare Begleitstoffe
verloren gehen.
5. Flavonoide im Vergleich — Cannflavine, Terpene, Cannabinoide
Drei Substanzklassen prägen die Aromen und Wirkungen von Cannabis.
Sie werden oft verwechselt, sind aber grundverschieden:
Klasse
Biosynthese
Wirkung auf CB1/CB2
Beispielmoleküle
Hauptrolle
Cannabinoide
Cannabigerolsäure → THCA, CBDA, CBCA
ja (THC aktiv)
THC, CBD, CBC, CBG
psychoaktiv / modulierend
Terpene
Mevalonatweg / MEP-Weg
nein (indirekt)
Myrcen, Limonen, Pinen, Linalool
Aroma, Modulation
Cannflavine
Luteolin-Weg
nein
Cannflavin A, B, C
Entzündungshemmung
Die Terpene sind für das Aroma verantwortlich, die Cannabinoide für
die klassischen Cannabis-Effekte. Die Cannflavine sind eine dritte Säule
— pharmakologisch aktiv, aber weder berauschend noch aromatisch im
klassischen Sinne.
Eine Sonderstellung nimmt der Entourage-Effekt ein:
Die Hypothese besagt, dass die Kombination aus Cannabinoiden, Terpenen
und Flavonoiden in Vollspektrum-Extrakten synergistisch wirkt.
Cannflavine könnten dabei ein bisher unterschätzter Faktor sein —
besonders bei chronischen Entzündungsprozessen, wo weder THC noch CBD
alleine dieselben Resultate zeigen wie Vollspektrum.
Mehr über den theoretischen Hintergrund findet sich im englischen
Wikipedia-Eintrag zu Cannabis-Flavonoiden
und in der ausführlichen Übersicht von Bautista et
al. 2021.
6. Cannflavine kaufen — was geht 2026 realistisch?
Eine berechtigte Frage, die viele Leserinnen und Leser stellen: Gibt
es Cannflavine als isolierte Substanzen, als Nahrungsergänzungsmittel
oder als standardisierte Cannabis-Blüten mit garantiertem
Cannflavin-Gehalt?
Stand Juli 2026:
Isoliertes Cannflavin A oder B — nur als
Forschungsreferenzstandard über Chemikalienlieferanten
wie Sigma-Aldrich, Cayman Chemical oder Santa Cruz Biotechnology.
Preise: 50–500 mg kosten 100–600 €. Nicht für den menschlichen Verzehr
freigegeben.
Cannflavin-reiche Vollspektrum-CBD-Blüten — die
einzige legale Verbraucheroption. Sorten wie Mimosa CBD 35 %, Lemon CBD
25 % oder White Widow Ultra CBD 35 % enthalten messbare
Flavonoid-Profile, auch wenn der Cannflavin-Anteil im HPLC nur als
kleiner Peak erscheint.
Cannabis-Blüten mit garantiertem Cannflavin-Gehalt
— Stand 2026 nicht am Markt. Es gibt einzelne Anbau-Projekte, die mit
gezielter Lichteinstellung den Flavonoid-Gehalt hochfahren wollen, aber
keine kommerziellen Chargen mit ausgewiesenem Cannflavin-Wert.
Wer CBD-reiche Sorten mit möglichst vollständigem Flavonoid-Profil
sucht, sollte auf das Etikett achten: „Vollspektrum” oder „Full
Spectrum” ist das Stichwort. Reine CBD-Isolate enthalten keine
nennenswerten Flavonoide.
7. Sind Cannflavine legal?
Die kurze Antwort: Ja, in der gesamten EU und in
Deutschland. Cannflavine fallen weder unter das
Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG), noch unter das
Betäubungsmittelgesetz (BtMG), noch unter die Anlage zum CanG. Es
handelt sich um nicht-psychoaktive Flavonoide.
Rechtsrahmen
Cannflavine betroffen?
BtMG (Cannabis, THC, etc.)
nein
NpSG (synthetische Cannabinoide)
nein
CanG (Cannabis-Anbau seit 2024)
nein
Lebensmittelrecht
bei Verzehr als Novel Food prüfen
Chemikalienrecht (REACH)
bei Isolaten als Laborchemikalie
Einzige Einschränkung: Isoliertes Cannflavin A als
Reinsubstanz fällt unter das Chemikalienrecht und ist in der EU
nicht frei verkäuflich, sondern nur für Forschungs- und Analysezwecke
zugänglich. Das gilt aber für jedes reine Naturstoff-Isolat in
Reinform.
Verbotene Substanzen aus 2025/2026 — HHC, HHC-P, 10-OH-HHC,
10-OH-HHCP, 1S-LSD, H4CBD — haben alle mit Cannflavinen nichts
zu tun. Hier geht es um synthetische Cannabinoide und
psychoaktive Derivate, nicht um Flavonoide.
8. Cannflavine in der Praxis — was bedeutet das für
Vollspektrum-Extrakte enthalten neben Cannabinoiden auch Flavonoide wie Cannflavine — die Pflanze als Wirkstoff-Gesamtkomposition.
Konsumenten?
Wer Cannabis oder CBD-Produkte konsumiert, hat bereits Cannflavine
aufgenommen — oft ohne es zu wissen. Die wichtigsten praktischen
Punkte:
Sortenwahl: Vollblüten (Cannabis oder CBD)
enthalten mehr Flavonoide als Extrakte oder Isolate.
UV-Licht-strapazierte Outdoor-Sorten können höhere Flavonoid-Werte
aufweisen, weil Flavonoide in der Pflanze als UV-Schutz dienen.
Konsumform: Die schonendste Aufnahme ist die
Vaporisation bei moderater Temperatur. Cannflavin A verdampft laut Vaporizer-Temperatur-Tabellen
ab etwa 182 °C — wer also unterhalb dieser Temperatur vaporisiert, nimmt
Cannflavin A nur in Spuren auf. Verbrennung (Joint,
Pfeife) zerstört Cannflavine wahrscheinlich weitgehend, da die
Temperaturen über 800 °C liegen.
Lagerung: Flavonoide sind oxidationsempfindlich.
Luftdicht, dunkel und kühl lagern — eine Boveda-Packung mit 58–62 %
relativer Feuchte hilft, das Aroma- und Flavonoid-Profil über Monate zu
erhalten.
Kombination mit anderen Cannabinoiden: Die
pharmakologische Forschung zu Synergien steckt noch in den
Kinderschuhen. Wer therapeutische Interaktionen sucht, sollte mit
Vollspektrum-Produkten beginnen und die Reaktion beobachten, bevor er
isolierte Substanzen kombiniert.
9. Was Cannflavine von Cannabinoiden, Terpenen und 9H-HHC
unterscheidet
Für Leserinnen und Leser, die bereits mit den modernen legalen
Cannabinoiden vertraut sind, hier eine klare Abgrenzung:
Cannflavine vs. THC/CBD: THC und CBD docken an
Cannabinoid-Rezeptoren (CB1/CB2) an. Cannflavine greifen an Enzymen des
Arachidonsäure-Stoffwechsels an (mPGES-1, 5-LOX). Komplett anderer
Wirkmechanismus.
Cannflavine vs. 9H-HHC: 9H-HHC ist ein
partialagonistisches Cannabinoid-Derivat, wirkt also psychoaktiv.
Cannflavine sind nicht-psychoaktiv und kein Cannabinoid.
Cannflavine vs. PHC: PHC ist ein Cannabinol-Derivat
mit THC-ähnlicher Wirkung. Cannflavine sind Flavonoide ohne
psychoaktiven Effekt.
Cannflavine vs. CBG: CBG ist ein Cannabinoid, das
an CB1/CB2 bindet. Cannflavine haben keinen Bezug zum
Endocannabinoid-System.
Diese Unterschiede sind relevant für alle, die gezielt nach
nicht-psychoaktiven, entzündungshemmenden Pflanzenstoffen suchen — oder
einfach verstehen wollen, warum Vollspektrum mehr ist als die Summe
seiner Cannabinoid-Einzelteile.
10. Cannflavin-Forschung der nächsten Jahre
Drei Forschungsrichtungen werden das Feld 2026–2030 prägen:
Klinische Studien — die ersten Phase-1-Studien zu
Cannflavin A beim Menschen werden voraussichtlich 2027 starten.
Pharmaunternehmen in Kanada und Israel bereiten Anträge vor.
Anbau-Optimierung — Cannabis-Züchter arbeiten an
Sorten mit erhöhtem Cannflavin-Gehalt. UV-B-Beleuchtung in der späten
Blütephase kann den Flavonoid-Spiegel um den Faktor 2–4 anheben, erste
Ergebnisse gibt es aus Kanada und den Niederlanden.
Biosynthetische Produktion — Forschungsgruppen in
Berkeley und Toronto versuchen, Cannflavin A in Hefe oder E.
coli herzustellen. Gelingt das, würden die Kilopreise von aktuell
mehreren Tausend Euro auf wenige Hundert fallen.
Wer das Thema weiterverfolgen will: Die wichtigsten Journals sind
Phytochemistry, Journal of Natural Products, ACS
Omega und das deutsche Planta Medica. PubMed liefert mit
den Suchbegriffen „cannflavin” und „cannflavins” aktuell über 200
Treffer — Tendenz steigend.
11. FAQ — die 8 wichtigsten Fragen zu Cannflavinen
11.1 Was sind Cannflavine?
Cannflavine sind eine Gruppe von drei natürlich vorkommenden
Flavonoiden — Cannflavin A, B und C — die ausschließlich in Cannabis
sativa gebildet werden. Sie sind keine Cannabinoide und wirken
nicht psychoaktiv. Ihre bekannteste pharmakologische Eigenschaft ist die
Hemmung des Entzündungsbotenstoffs Prostaglandin E2 in vitro.
Cannflavin A (C₂₆H₂₈O₆, CAS 76735-57-4) ist ein prenyliertes Flavon,
das 1985/86 von Barrett, Scutt und Evans am University College London
erstmals aus Cannabis sativa isoliert wurde. Es hemmt im Reagenzglas die
mikrosomale Prostaglandin-E2-Synthase-1 (mPGES-1) etwa 30-mal stärker
als Aspirin und zusätzlich das Enzym 5-Lipoxygenase.
11.3 Ist Cannflavin A wirklich 30-mal stärker als Aspirin?
Im Labor ja — im menschlichen Körper (noch) nicht bestätigt. Die
„30ד-Zahl stammt aus einer 2019 publizierten Studie von Rea et
al. (Phytochemistry, DOI
10.1016/j.phytochem.2019.05.009) an Zellkulturen. Klinische Studien
am Menschen stehen 2026 aus.
11.4 Cannflavin A und B — worin unterscheiden sie sich?
Cannflavin A trägt eine Geranyl-Seitenkette (C10), Cannflavin B eine
kürzere Dimethylallyl-Seitenkette (C5). Beide hemmen dieselben Enzyme
(mPGES-1, 5-Lipoxygenase), aber mit leicht unterschiedlicher Stärke. In
manchen Assays wirken sie additiv oder synergistisch.
Die Biosynthese läuft über die Zwischenstufe Luteolin → Chrysoeriol →
Cannflavin. Zwei spezifische Prenyltransferasen (CsPT1 für A, CsPT2 für
B) heften die prenylierten Seitenketten an. Der vollständige
Biosyntheseweg wurde 2019 von Rea et al. aufgeklärt.
Isoliertes Cannflavin A ist nur als Forschungsreferenzstandard
erhältlich (Sigma-Aldrich, Cayman Chemical), nicht für den menschlichen
Verzehr. Wer Cannflavine über die Pflanze aufnehmen will, sollte auf
Vollspektrum-Cannabis oder Vollspektrum-CBD-Produkte zurückgreifen —
diese enthalten messbare, aber niedrige Mengen an Cannflavinen.
Ja. Cannflavine sind keine psychoaktiven Substanzen und fallen nicht
unter das BtMG, NpSG oder CanG. Sie sind nicht-psychoaktive Naturstoffe
ohne regulatorische Beschränkung — abgesehen von der
Chemikalienrecht-Regelung für isolierte Reinsubstanzen.
11.8 Cannflavin vs. Cannabinoid — was ist der Unterschied?
Cannabinoide (THC, CBD, CBC, CBG) wirken über das
Endocannabinoid-System, also über die Rezeptoren CB1 und CB2.
Cannflavine greifen Enzyme des Arachidonsäure-Stoffwechsels an und haben
keine direkte Affinität zu Cannabinoid-Rezeptoren. Beide Substanzklassen
können sich aber im Vollspektrum-Extrakt ergänzen.
12. Cannflavin im MYGREEN-Sortiment — was wir empfehlen
Cannflavine kommen in jeder Cannabis-Pflanze vor, aber besonders in
cannabinoid- und terpenreichen Vollspektrum-Profilen. Wer eine
CBD-reiche Blüte mit ausgeprägtem Flavonoid-Spektrum sucht, ist mit
diesen Sorten gut bedient:
CBG vs
CBD — Wirkung, Unterschied und was die Forschung sagt
14. Compliance-Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und
Aufklärung. Cannflavine sind keine Heilmittel im Sinne des
Arzneimittelgesetzes. Die beschriebenen pharmakologischen Wirkungen
beruhen auf präklinischen Studien (Zellkultur, Tiermodell) und sind
nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragbar. Bei Beschwerden,
insbesondere chronischen Entzündungen, neuropathischen Schmerzen oder
neurodegenerativen Erkrankungen, sollte immer ein Arzt oder eine Ärztin
konsultiert werden. Cannflavine sind kein Ersatz für eine medizinische
Diagnose oder Therapie. Alle Aussagen zu „30× Aspirin” oder ähnlichen
Vergleichen beziehen sich auf In-vitro-Daten.
MYGREEN verkauft keine isolierten Cannflavine. Die im
Cannflavin-Kontext erwähnten CBD- und THCA-Produkte werden
ausschließlich als legal zugängliche Aromaprodukte bzw. nach CanG
rechtmäßig verfügbare Cannabis-Sorten vertrieben. Konsumhinweise oder
Dosierungsempfehlungen werden nicht gegeben.
Artikel-Stand: 07.07.2026 · MYGREEN Research · Autor: Alexander
Martin
Quellenverzeichnis:
Barrett, M. L.; Scutt, A. M.; Evans, F. J. (1986). Cannflavin A
and B, prenylated flavones from Cannabis sativa L. Experientia 42,
452–453. DOI
10.1007/BF02118655
Barrett, M. L.; Gordon, D.; Evans, F. J. (1985). Isolation from
cannabis sativa L. of cannflavin — a novel inhibitor of prostaglandin
production. Biochem Pharmacol 34, 2019–2024. DOI
10.1016/0006-2952(85)90325-9
Rea, K. A. et al. (2019). Biosynthesis of cannflavins A and B
from Cannabis sativa L. Phytochemistry 164, 162–171. DOI
10.1016/j.phytochem.2019.05.009
Werz, O. et al. (2014). Cannflavins from hemp sprouts … target
microsomal prostaglandin E2 synthase-1 and 5-lipoxygenase.
PharmaNutrition 2(3), 53–60. DOI
10.1016/J.PHANU.2014.05.001
Radwan, M. M. et al. (2008). Non-cannabinoid constituents from a
high potency Cannabis sativa variety. Phytochemistry 69, 2627–2633.
DOI
10.1016/j.phytochem.2008.07.010
Bautista, J. L. et al. (2021). Flavonoids in Cannabis sativa:
Biosynthesis, Bioactivities, and Regulation. ACS Omega. PMC
7931196
Abdel-Kader, M. S. et al. (2023). Chemistry and Biological
Activities of Cannflavins of the Cannabis plant. PMC
10714118
Fitzpatrick, J. M. K. et al. (2025). Cannflavin A inhibits
TLR4-induced chemokine …. Natural Product Research. DOI
10.1080/14786419.2024.2358382
Cannflavin A und B sind Cannabis-spezifische Flavonoide mit starker entzündungshemmender Aktivität in vitro (30× Aspirin, Rea 2019). Pharmakologie, Biosynthese und Forschung 2026 im kompletten Überblick.
Auf einen Blick: THCV (Tetrahydrocannabivarin) ist ein minor cannabinoid aus Cannabis sativa, der sich chemisch nur durch eine kürzere Propyl-Seitenkette von THC unterscheidet. In niedriger Dosis wirkt THCV als CB1-Antagonist und kann THC-Effekte sogar abschwächen; in höherer Dosis verhält es...
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